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KANADA - YUKON TERRITORY :

SOLO AUF DEM NISUTLIN-RIVER

200 Kilometer alleine durch eine grandiose Natur

 

VON WOLFGANG GESSLER (Text und Fotos)

Sanft erfasst die Strömung das Kajak. Am Ufer des schillernden Rose River landet ein Weißkopf-Seeadler und mustert ruhig den Menschen in seinem kleinen Boot. Der schöne Fluss Rose mündet bald in den Nisutlin River, der sanft und unberührt durch die Weite des kanadischen Yukon-Territoriums mäandert. Wo Inseln, Sand- oder Kiesbänke seine Strömung umlenken, türmt sich massig Schwemmholz, sind lichte Flächen bestanden mit Erlen und Zitter-Pappeln. Das sind Lagerplätze vom Feinsten.

Nach 180 Kilometern ergießt sich der Nisutlin in die Nisutlin Bay. Auf der anderen Seite dieser weiten Bucht, beim Flecken Teslin, führt der Alaska Highway zwei Autostunden von Whitehorse entfernt über eine wuchtige Brücke. Genau dort würde am Samstag diese Tour enden. Heute ist Montag.

Und noch drängen dichte Fichten- und Kiefernwälder bis zum Fluss, wechseln ab mit mächtigen Steilufern, in die Schwalben ihre Höhen gebuddelt haben. Immer wieder ragen entwurzelte Bäume ins Wasser, häufig überspült von den Fluten: gefährliche "Sweeper", die ein auffahrendes Boot schnell zum Kentern bringen können. Ansonsten: keine gefährliche Strömung, keine unerwarteten Hindernisse. Der Nisutlin ist sicher kein Spielplatz für Wildwasser-Freaks, doch für paddelnde Natur-Genießer bietet er eine Panoramafahrt zum Niederknien.

In den nächsten Tagen würde ich Elche am Ufer durch den Schlamm stapfen sehen und im Wasser Lachse beobachten, wie sie stromaufwärts schwimmen. Ich würde bei strahlender Sonne und im strömenden Regen paddeln, die kalten Nächte des Spätsommers spüren und dafür fast völlig von Moskitos verschont bleiben. Und ich würde die Einsamkeit genießen.

(...)